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Der gläserne Mensch

Gestern morgen stand ich früh auf, um meinen Körper der Wissenschaft zu vermachen. Mit der Bahn nach Mannheim, warten und in einen Hinterhof schleichen, an aufwachenden Alkoholikern vorbei, die zwischen Ratten und Zeitungspapier stinkend schnarchen, betrat ich ein altes Gebäude, schlich verkommene Treppen hinauf in den fünften Stock.

Oben angekommen, klingelte ich an einer schmutzigen Glastür, hinter der man Ratten und Affen schreien hören konnte. Ich atmete durch und ließ mich von einer blondbrüstigen Studentin durch ein Labyrinth geleiten, bis zu einem Bildschirm, wo ich eine Einverständniserklärung mit kleinen Buchstaben unterschreiben durfte.

Dann begann das Experiment.

 

[Gerne würde ich davon berichten, aber ich bin zum Schweigen verpflichtet. Der Fortschritt findet mit mir statt]

1 Kommentar 5.5.07 15:48, kommentieren



ICQ 6 ist ein Elend

Es war einmal ein schönes Programm, das nannte sich ICQ 5. Bis auf gelegentliche Server-Abstürze lief es wie eine Kreissäge, hatte eine strukturierte Oberfläche, nette Bonusfunktionen und ein paar hässliche Smilies.
Dann kam ICQ 6.

Woher kommt dieser Update-Wahn? Und warum wollte man das Rad neu erfinden? Die sechste Version ist blasser als die fünfte, die schwachen Farben lassen selbst gesunde Menschen rot/grün-blind werden. Die History-Funktion wurde in eine abseits liegende Ecke verbannt und noch unübersichtlicher als die alte gestaltet. Und jedesmal, wenn ein neuer Kontakt eine Nachricht aus dem Off übermittelt, springt ein winziges Fenster auf, das erst beim dritten Klicken verschwindet und vom Inhalt der Botschaft die ersten drei Worte anzeigt. Bei ICQ 5 hätte man darauf geklickt und die Botschaft lesen können. Bei ICQ 6 darf man sich über Untermenüs in die unübersichtliche History klicken und sich dort auf die Suche machen.

Oder man schmeißt die Version gleich wieder vom Rechner.

Früher war eh alles besser. 

4 Kommentare 11.5.07 09:59, kommentieren

Rheinland-Pfalz lacht über den 2.Weltkrieg

Nichts im Sinn zu haben, war mein Bestreben, als ich aus einem Zug in den nächsten huschen wollte. Aber ein Plakat war zu groß, als dass ich es übersehen konnte:

 

"Kaum machen wir eine Party, wird gleich Demokratie draus"

 

stand da über ein paar betrunkenen Jugendlichen. Und untendrunter:

"60 Jahre Rheinland-Pfalz"

 

Wenn ich jetzt zwischen den Zeilen lese, war der zweite Weltkrieg eine große Party. Und hat uns Demokratie gebracht!
Das war schon ein tolles Event, damals... eine echte Super-Mega-Drecksau-Party.

1 Kommentar 16.5.07 13:18, kommentieren

Das Parfum - Der Vergleich

Ich höre sie jetzt noch in meinen Ohren klingen, die Stimmen, die im letzten Jahr "Das Parfum" sahen und sich schnäuzten, mokierten, husteten, dass das Buch doch sooo viel besser sei als der Film und dass der Film Dinge auslasse und sowieso keine Gerüche darstellen könne.

Damals konnte ich dazu nichts sagen, da ich das Buch nicht kannte. Ich wusste lediglich, dass der Film erstaunlich gut war und konnte mir nicht vorstellen, dass ich ihn schlecht finden würde, hätte ich das Buch gelesen.

Nun, letzte Woche habe ich das nachgeholt, und das offensichtliche ist deutlich geworden: Die Lektüre hat an der Güte des Filmes nichts geändert. Der Film als völlig anderes Medium ist erst einmal überhaupt nicht mit einem Buch in Konkurrenz zu denken, und die Tatsache, dass er kürzt und andere Aspekte hervorhebt, kann man ihm nicht negativ anrechnen - es ist schlicht notwendig.

Und schließlich: Ein Buch kann ebensogut oder schlecht Gerüche abbilden wie ein Film.

2 Kommentare 20.5.07 12:30, kommentieren

Die Ursprache

Wie ich heute an der Uni erfahren durfte, gab es vor Tausenden von Jahren einen ägyptischen König, der die Ursprache des Menschen herausfinden wollte. Hierzu nahm er zwei Neugeborene, gab sie einem Hirten und ließ sie unbeeinflusst eine Sprache entwickeln.

Man sollte nun vermuten, dass sie bis an ihr Lebensende schweigsam geblieben sind.
Aber tatsächlich streckten sie nach Monaten ihre Hände aus, schauten hungrig und sprachen ein Wort: Bekos.

Bekos ist phrygisch und heißt Brot.

Das Experiment ging in die Geschichte ein, wurde aus ethischen Gründen jedoch nie wiederholt, wird seither angezweifelt und als Legende deklariert.  

2 Kommentare 22.5.07 20:30, kommentieren

Kallwass hilft der Menschheit

Aus reinem Zufall wurde ich gestern Zeuge eines Verbrechens: Eine Volksfestpsychologin namens Kallwass durfte einem 30-jährigen schlechten Schauspieler erklären, wie er die große Liebe seines Lebens findet und bei seiner Mutter auszieht.

Sie setzte ihm dazu agentenmäßig ein Hörgerät und ein Mikrofon ins Ohr, um ihm Anweisungen zu geben, führte ihn in ein Cafe, wo er zufällig eine gleichaltrige junge Dame antraf, die er um einen Sitzplatz bitten konnte. Sie sprachen miteinander und fanden Gefallen an ihren schlecht rezitierten Phrasen. Später heirateten sie und fielen Frau Kallwass um die Arme, während die Mutter den Sohn freigab.

Worte können schlecht die übermäßíge Komik dieser Sendung wiedergeben: Während ich lachte, wurde ich erschlagen angesichts der ungreifbaren Masse kritikwürdiger Punkte. Das deutsche Nachmittagsprogramm ist eine Komödie. Ich frage mich jedoch, wieviel Prozent der Zuschauer dies wohl für ernst und romantisch halten.

2 Kommentare 31.5.07 18:53, kommentieren