Kurz bevor ich in die Ferien trat

Gestern ging das zweite Semester zu Ende. All das Wissen, dass ich in den letzten Monaten (bzw. in den letzten 5 Tagen vor den Klausuren) verinnerlicht habe, wird nun in den nächsten zwei Monaten zumindest ins Unterbewusstsein driften.
Althochdeutsch? Ich bezweifle, dass ich morgen noch ein Wort darüber weiß. Schade.

 

Einen kleinen Schock durfte ich allerdings noch erleben, am Montag nämlich. Wir saßen im Seminar, die Dozentin spie Feuer und warf uns Begriffe entgegen, die uns fremd waren. In einem kalten Moment fragte sie die Runde, ob wir denn eigentlich alle ein Referat in diesem Semester gehalten hätten.
Tragischerweise gehörte ich zu den drei Personen, die sich nun aus diversen faulheitstechnischen Gründen verneinend meldeten. Die Augen der Dozentin wurden groß und rot. "Sie wissen schon, dass das essentiell für das Bestehen dieses Kurses ist?", fragte sie satanisch.
Wir schmolzen zusammen. Ein ganzes Semester umsonst - Hausarbeit, Klausurlernen, wöchentliche Zeitopferung - nur weil man kein kleines, hässliches Referat gehalten hat?!
Die restliche Stunde saßen wir also da und hassten, zerbrachen Bleistifte zwischen den Fingern. Es war eine Tortur.
Die Dozentin kühlte sich jedoch glücklicherweise  allmählich mit Schillerzitaten ab und gewährte uns eine kurze Audienz, in der wir einen Kompromiss erringen konnten.
Jetzt dürfen wir nächste Woche ein Thesenpapier zu einem literaturwissenschaftlichen Theorienmodell entwerfen und ihr elektronisch schicken.

Ich bezweifle, dass sie es sich überhaupt durchlesen wird... aber wenigstens ist mein Fortbestehen gesichert. 

15.6.07 08:12, kommentieren

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Sprachspiele

In der Innenstadt über dem Eingang zu einer türkischen Imbissküche hängt eine Fahne mit einem lächelnden Perser, darunter steht der prägnante und markante Spruch:

Döner is(s)t schöner!

 Natürlich könnte man nun weiterlaufen, anstatt sich darüber aufzuregen. Aber bitte, ich muss es doch tun: Es scheint wohl eine landläufige Meinung zu sein, dass zwei Klammern mit einem wortverändernden Buchstaben ein Zeugnis größter Sprachkompetenz seien - Jedoch vergisst man dabei gerne, dass beide Wortgebilde auch einen Sinn ergeben sollen. "Döner isst schöner"? Was isst er denn? Menschen? Fleisch und Kraut mit seinem Fladenmaul?
Ich glaube, würde man den Verfasser dieses "Wortspieles" nach dem Sinn des (s) in seinem Satz fragen, er würde verschämt zu Boden schielen. Zu Recht.

 

2 Kommentare 7.6.07 11:10, kommentieren

Kallwass hilft der Menschheit

Aus reinem Zufall wurde ich gestern Zeuge eines Verbrechens: Eine Volksfestpsychologin namens Kallwass durfte einem 30-jährigen schlechten Schauspieler erklären, wie er die große Liebe seines Lebens findet und bei seiner Mutter auszieht.

Sie setzte ihm dazu agentenmäßig ein Hörgerät und ein Mikrofon ins Ohr, um ihm Anweisungen zu geben, führte ihn in ein Cafe, wo er zufällig eine gleichaltrige junge Dame antraf, die er um einen Sitzplatz bitten konnte. Sie sprachen miteinander und fanden Gefallen an ihren schlecht rezitierten Phrasen. Später heirateten sie und fielen Frau Kallwass um die Arme, während die Mutter den Sohn freigab.

Worte können schlecht die übermäßíge Komik dieser Sendung wiedergeben: Während ich lachte, wurde ich erschlagen angesichts der ungreifbaren Masse kritikwürdiger Punkte. Das deutsche Nachmittagsprogramm ist eine Komödie. Ich frage mich jedoch, wieviel Prozent der Zuschauer dies wohl für ernst und romantisch halten.

2 Kommentare 31.5.07 18:53, kommentieren

Die Ursprache

Wie ich heute an der Uni erfahren durfte, gab es vor Tausenden von Jahren einen ägyptischen König, der die Ursprache des Menschen herausfinden wollte. Hierzu nahm er zwei Neugeborene, gab sie einem Hirten und ließ sie unbeeinflusst eine Sprache entwickeln.

Man sollte nun vermuten, dass sie bis an ihr Lebensende schweigsam geblieben sind.
Aber tatsächlich streckten sie nach Monaten ihre Hände aus, schauten hungrig und sprachen ein Wort: Bekos.

Bekos ist phrygisch und heißt Brot.

Das Experiment ging in die Geschichte ein, wurde aus ethischen Gründen jedoch nie wiederholt, wird seither angezweifelt und als Legende deklariert.  

2 Kommentare 22.5.07 20:30, kommentieren

Das Parfum - Der Vergleich

Ich höre sie jetzt noch in meinen Ohren klingen, die Stimmen, die im letzten Jahr "Das Parfum" sahen und sich schnäuzten, mokierten, husteten, dass das Buch doch sooo viel besser sei als der Film und dass der Film Dinge auslasse und sowieso keine Gerüche darstellen könne.

Damals konnte ich dazu nichts sagen, da ich das Buch nicht kannte. Ich wusste lediglich, dass der Film erstaunlich gut war und konnte mir nicht vorstellen, dass ich ihn schlecht finden würde, hätte ich das Buch gelesen.

Nun, letzte Woche habe ich das nachgeholt, und das offensichtliche ist deutlich geworden: Die Lektüre hat an der Güte des Filmes nichts geändert. Der Film als völlig anderes Medium ist erst einmal überhaupt nicht mit einem Buch in Konkurrenz zu denken, und die Tatsache, dass er kürzt und andere Aspekte hervorhebt, kann man ihm nicht negativ anrechnen - es ist schlicht notwendig.

Und schließlich: Ein Buch kann ebensogut oder schlecht Gerüche abbilden wie ein Film.

2 Kommentare 20.5.07 12:30, kommentieren

Rheinland-Pfalz lacht über den 2.Weltkrieg

Nichts im Sinn zu haben, war mein Bestreben, als ich aus einem Zug in den nächsten huschen wollte. Aber ein Plakat war zu groß, als dass ich es übersehen konnte:

 

"Kaum machen wir eine Party, wird gleich Demokratie draus"

 

stand da über ein paar betrunkenen Jugendlichen. Und untendrunter:

"60 Jahre Rheinland-Pfalz"

 

Wenn ich jetzt zwischen den Zeilen lese, war der zweite Weltkrieg eine große Party. Und hat uns Demokratie gebracht!
Das war schon ein tolles Event, damals... eine echte Super-Mega-Drecksau-Party.

1 Kommentar 16.5.07 13:18, kommentieren

ICQ 6 ist ein Elend

Es war einmal ein schönes Programm, das nannte sich ICQ 5. Bis auf gelegentliche Server-Abstürze lief es wie eine Kreissäge, hatte eine strukturierte Oberfläche, nette Bonusfunktionen und ein paar hässliche Smilies.
Dann kam ICQ 6.

Woher kommt dieser Update-Wahn? Und warum wollte man das Rad neu erfinden? Die sechste Version ist blasser als die fünfte, die schwachen Farben lassen selbst gesunde Menschen rot/grün-blind werden. Die History-Funktion wurde in eine abseits liegende Ecke verbannt und noch unübersichtlicher als die alte gestaltet. Und jedesmal, wenn ein neuer Kontakt eine Nachricht aus dem Off übermittelt, springt ein winziges Fenster auf, das erst beim dritten Klicken verschwindet und vom Inhalt der Botschaft die ersten drei Worte anzeigt. Bei ICQ 5 hätte man darauf geklickt und die Botschaft lesen können. Bei ICQ 6 darf man sich über Untermenüs in die unübersichtliche History klicken und sich dort auf die Suche machen.

Oder man schmeißt die Version gleich wieder vom Rechner.

Früher war eh alles besser. 

4 Kommentare 11.5.07 09:59, kommentieren